
If Krallice pushes metal into new realms of vastness and extremity, Kayo Dot distills the genre's dark essence into something almost completely unrecognizable. Formed in 2003, the band is a vehicle for the phantasmagorical musical vision of composer Toby Driver, who got his start in the progressive-metal outfit Maudlin of the Well. Much like Lehman, Driver displays true fearlessness when it comes to his magpie-like imagination, incorporating elements from chamber music and art pop as well as prog and noise-rock. Yet Kayo Dot's music leaves little in the way of a trail of reference: It's self-contained and truly enveloping. Driver has often cited the influence of the unconscious when describing his work, and listening to it truly feels like stepping into another man's (bad?) dream.
Zur Rubrik Hank Shteamer: New York
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Wir hier in Europa mögen überrascht sein über die vielen jungen und gutausgebildeten Musiker aus New York, die spätestens seit dem vergangenen Jahr hierzulande für Furore sorgen. Doch dieser Kreativschub aus den USA kommt nicht von ungefähr. Das Trio Fieldwork, 2002 gegründet und seit 2005 mit Vijay Iyer, Piano, Steve Lehman, Saxofon, und Tyshawn Sorey, Drums, besetzt, ist die Keimzelle für diese neue und frische Musikerbewegung – so Christian Broeckings Überzeugung. Im zweiten Teil stellt Broecking den Saxofonisten dieses Kollektivs, Steve Lehman, vor.
Zum Artikel "Neuigierige Grovves im globalen Setting"

Sie werden es mitbekommen haben: Dieses Jahr wird es zum moers festival kein gedrucktes Programmmagazin geben. Doch nicht der Spardruck allein, der zurzeit auf dem moers festival lastet, hat uns als Redaktion dazu veranlasst, das bisherige Printkonzept ins Internet zu verlegen – als Magazin-Blog innerhalb von moers-festival.de. Vielmehr sind es die vielfältigen und neuen Möglichkeiten von Web 2.0, die uns von der Richtigkeit dieses Schritts überzeugt haben – um das „alte“ Programmmagazin an der Dynamik und Vitalität des Word Wide Web teilhaben zu lassen.
Sämtliche Rubriken im moers ferstival Magazin-Blog werden sukzessive in Blogfunktionen bis zum Festivalstart veröffentlicht. Mit einer Blog-typischen Kommentarfunktion können Sie direkt auf die Artikel reagieren – und am „Diskurs“ teilnehmen. Zudem lassen wir einige Musiker tatschlich zu Wort kommen und machen die mit Worten beschriebene Musik für Sie hör- und sichtbar – mit unserem moers festival Podcast etwa, oder mit MySpace- und YouTube-Links. Und über jedes Update in unserem moers festival Magazin-Blog können Sie sich problemlos per „RSS Feed“ informieren lassen.
Die dreiteilige Struktur des „alten“ Magazins haben wir beibehalten. Im „Programm“-Teil schreiben Fachjournalisten Beiträge über die Musiker und Bands, die beim Festival auftreten werden. Im „Magazin“-Teil stellen Autoren neue Tendenzen und Strömungen innerhalb der Szene aktueller, improvisierter Musik vor. So hat uns zum Beispiel Hank Shteamer ein Update zu seinem letztjährigen Artikel über die „Young Guns From New York“ geschickt. Wolf Kampmann schaut auf die noch immer fragile Beziehung zwischen Europa und USA – und bringt uns zudem einen (unbeabsichtigen) Festivalschwerpunkt nahe: die neue Rolle der Gitarre in der zeitgenössischen, aktuellen Musik. Christian Broecking wiederum beschreibt das Trio Fieldwork mit Vijay Iyer, Steve Lehman (mit seinem Oktett 2010 in Moers) und Tyshawn Sorey (mit seinem Trio dieses Jahr beim Festival) als Keimzelle der frischen New Yorker Improvisationsmusik von Heute. Natürlich Afrika: 16 Staaten dieses Kontinents feiern 2010 zum 50. Mal ihren Jahrestag der Unabhängigkeit – und Stefan Franzen liefert uns seine Sicht in die Szene aktueller afrikanischer Musik. Im „Geschichts“-Teil werfen wir wieder einen Blick zurück auf den Festivaljahrgang 1980: Dort können Sie sich unter anderem durch das komplette Programmheft von vor 30 Jahren blättern.
Die Redaktion
Freitag, 21. Mai 2010


Terje Rypdal
Kein anderer Gitarrist hat den europäischen Jazz-Rock derart nachhaltig geprägt wie Terje Rypdal. Drei Jahrzehnte lang suchte er zuverlässig im Zwielicht musikalischer Subversion nach Sounds, aus denen er seine unverwechselbare Klangarchitektur errichten konnte. Nach der Jahrtausendwende wurde es stiller um ihn, doch Moers-Besucher wissen spätestens seit seinem spektakulären Auftritt mit Supersilent vor zwei Jahren, dass mit dem Norweger mehr denn je zu rechnen ist. Er hatte bereits mit einem Bein in der Hölle gestanden und trägt diese Erfahrung nun umso intensiver in seine Musik. Zwar gilt er als Meister des kleinen Formats, doch in „Crime Scene“ inszeniert er mit der Bergen Big Band ein narratives Klangtheater, das alle formalen Konventionen außer Kraft setzt. In der groß angelegten Komposition spielt er mit Handlungsfäden und Charakteren, ohne sie konkret zu benennen. Die Bläser geben Gas, aber von Hornkleister ist nichts zu spüren. Viel mehr erinnert das diabolische Gebräu an jene legendären Alben, die Miles Davis in den frühen 1970ern auflegte. „Die ,Bitche Brew‘-Periode von Miles ist ein ungemein wichtiger Einfluss für die Platte“, bekennt Rypdal. „Ich gestand dem Leiter der Big Band, dass ich noch nie für eine solche Formation geschrieben habe, weil ich einfach nicht weiß, wie das geht. Er sagte, Gott sei Dank, denn es gibt so viele andere, die meinen, sie könnten es.“ Doch von Understatement ist hier wenig zu spüren. Rypdal trägt dick auf. Sein spätes Meisterwerk ist eine fulminante Antwort des 21 Jahrhunderts auf die Programmmusik um 1900. Der geläuterte Gitarrist findet hier nicht nur eine neue Mitte, sondern entfesselt Kräfte, die er selbst nicht für möglich gehalten hätte. Und seine Hörer schon gar nicht.
Text: Wolf Kampmann
Bergen Big Band
Olav Dale, Jan Kåre Hystadm, Ole Jakob Hystad, Zoltan Vincze, Michael Barnes_reeds, Martin Winter, Sebastian Haukås, Are Ovesen, Reid Gilje_tp, Øyvind Hage, Rune Hannisdal, Pål Roseth, Kjell Erik Husom_tb, Thomas Dahl_g, Helge Lilletvedt_p, Magne Thormodsæter_b, Frank Jakobsen_dr
Terje Rypdal_g, Palle Mikkelborg_tp, Ståle Storløkken_keyb
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Freitag, 21. Mai 2010


Donkey Monkey by Chriss Desroziers
Wer an Piano/Drums-Paarungen denkt, mag zunächst an Rendezvous älterer Frei- und Freegeister denken: Cecil Taylor/Tony Oxley (Moers 2008!), Misha Mengelberg/Han Bennink, Irène Schweizer/Louis Moholo, Günter „Baby“ Sommer/Ulrich Gumpert… Mit Donkey Monkey reihen sich zwei Frauen in die Liste ein, die altersmäßig als deren Enkelinnen durchgehen könnten: Eve Risser und Yuko Oshima. Die in Paris lebende französische Pianistin und die japanische Schlagzeugerin haben sich vor sieben Jahren während des Studiums getroffen - in Frankreichs konservativster Region, dem Elsass, dessen Hauptstadt Strassburg musikalisch auf ungleich progressivere Traditionen verweisen kann. 2007 erschien ihr Debüt „Ouature“, Ende dieses Jahres soll das zweite Album folgen.
Vor allem live sind Donkey Monkey ein Erlebnis. Sich gegenüber sitzend, mit direktem Augenkontakt, verarbeiten sie in erfrischender „devil may care“-Attitüde alles, was ihnen unter die Finger kommt: Jazz, Pop, Rock, Metal, Noise, Free. West- und Osteuropäisches, Indisches und Fernöstliches, Afro und Angloamerikanisches. Ein Wechselbad von Sound und Energie: Leiseste Passagen wechseln mit wahren Eruptionen, freier rhythmischer Fluss mit groovenden Ostinati – eine Art „Honky-Donk“, oder, wie sie es nennen: „Hi-Speed Boogie-Woogie Improv“. Humor ist da nicht weit: etwa, wenn die Beiden Carla Bleys „Wrong Key Donkey“ intonieren oder ihr (für den Pink-Floyd-Dummer Nick Mason geschriebenes) „Can’t Get My Motor To Start“ singen. Und beim vierhändigen Finale am Flügel mögen sich winzige Plastikfiguren zu ihnen gesellen, die wackelnd vom Klavier auf die Bühne stürzen… Ein kleiner Esel, ein kleiner Affe? Wer beim Konzert grübelnd über die Namensgebung sinniert, verpasst, wie sich Risser und Oshima die Bälle zuwerfen. Interaktiv wie Ping Pong: Donkey Monkey.
Text: Karsten Mützelfeldt
Eve Risser_p, Yuko Oshima_dr
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Freitag, 21. Mai 2010


Colin Stetson
Januar 2010, New York, Stadtteil Williamsburg, Monkeytown Club: Ein vielköpfiges Musikerkollektiv entert die Bühne. Ohne Absprachen spielt man ad hoc eine mitreißende, emotionale und berauschende Improvisationsmusik – in ständig wechselnden Besetzungsgrößen: mal solo oder im Duo, mal im Trio oder Quartett, mal mit allen Musikern auf der Bühne. Mittendrin: Matana Roberts, Altsaxofon, Colin Stetson, Basssaxofon, und Shahzad Ismaily, Schlagzeug. In dieser trubeligen Konzertszenerie finden sie immer wieder als Trio zusammen. Fasziniert stellen sie fest, wie eng die Verbindung untereinander ist, wie selbstsicher man aufeinander vertrauen kann, wie intensiv und eloquent man miteinander komuniziert. Die Chemie stimmt, das musikalische Ergebnis ist prickelnd, das magische Erleben dieser oft kurzen Momente gemeinsam auf der Bühne bleibt in Kopf und Seele haften. Gleich nach dem Konzert sind Roberts, Stetson und Ismaily überzeugt: Sie haben gerade die Geburtsstunde ihres neuen Trios erlebt.
In Moers kennt man die Drei bestens. Saxofonistin Roberts, gebürtige Chicagoerin mit Wohnsitz New York, inszeniert ihre Improsivationsmusik oft und gerne als gattungsübergreifende Kunstperformances, wie sie es mit ihrem „CoinCoin“-Projekt beim moers festival 2006 demonstrierte. Auch ihr Instrumentalkollege Colin Stetson, mittlerweile im kanadischen Montreal lebend, fühlt sich in vielen musikalischen Settings zu Hause. Ob mit Tom Waits oder Arcade Fire Americana oder Indie-Rock spielend, ob mit Jazzern oder alleine auf der Bühne sich ins Abenteuer einer Musik im Moment des Entstehens stürzend, sein so fleischiger, so bauchiger und kraftstrotzender Ton auf den verschiedenen Saxofonen und Klarinetten ist stets individuell und wiedererkennbar – wie er es mit seinem fulminanten Solo-Konzert beim moers festival im vergangenen Jahr zeigte, als er die Festivalgeschichte um ein weiteres Highlight bereicherte. Und Shahzad Ismaily ist gleichsam Prototyp für die neue und junge Musiker-Szene in New York. Die Verbindung der Musiken der Welt zu einer universellen Sprache ist für den New Yorker mit pakistanischen Eltern keine Vision, sondern Wirklichkeit und in seinem Spiel als Bassist und Gitarrist, als Keyboarder und Drummer stets präsent. Gleich drei Mal war er 2009 im Festivalzelt in Moers zu hören: kurz als Gast bei Stetsons Solo-Konzert, mit der Band von Valgeir Sigurdsson und mit Marc Ribot's Ceramic Doc.
Das Monkeytown in Williamsburg ist längst geschlossen, der Besitzer konnte sich die horrende Miete nicht mehr leisten. Doch der magische Moment, den Musiker und Publikum dort im Januar 2010 erleben durften, setzt sich fort – wie zum Beispiel mit der „echten“ Konzert-Premiere des Trios Matana Roberts/Colin Steston/Shahzad Ismaily an Pfingsten 2010 in Moers.
Text: Martin Laurentius
Matana Roberts_sax / Colin Stetson_bs, cl / Shahzad Ismaily_g, b, dr
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Matana Roberts Website
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Freitag, 21. Mai 2010


Miss Platnum
„Ich habe mich früh in den Soul verliebt“, bekennt Ruth Maria Renner. „Doch mir wurde klar, dass ich in meiner eigenen Karriere keinen Original-Soul singen kann, das wäre nur ein Abklatsch geworden. Der Schlüssel zu etwas Eigenem lag in meiner Herkunft.“ In ihrem Falle in Rumänien, von wo die Eltern vor dem Ceaucescu-Regime fliehen als sie acht Jahre alt ist. In Berlin erlebt sie Teenager-Jahre und den Mauerfall, vokales Training erhält sie dann von einem ihrer größten Fans, der Wahlberlinerin Jocelyn B. Smith. Und so erfindet Ruth Maria alias Miss Platnum den „Balkan R&B“, ein Genre, in dem sie bis heute alleine das Zepter schwingt. „Chefa“ nennt sich denn auch selbstbewusst das Debüt, auf dem sie diese unorthodoxe Mixtur vorstellt. Sie definiert sich als Vorbild für all jene jungen Frauen, die mit den Hungerhaken und glatten R&B-Püppchen nicht konform gehen wollten. „Give Me The Food“ fordert sie im Begleit-Soundtrack zu ihrer Genuss- und Anti-Diät-Attitüde, auf die es auch hin und wieder hämischen Spott regnet. Ist der Miss mit ihrem Debüt vor allem ein Erfolg in der Balkan-Beat- und Weltmusik-Szene gelungen, so hat sich mit dem Nachfolger „The Sweetest Hangover“ ihr Verehrerkreis noch erweitert. „Das viele Gefeiere vom ersten Album weicht jetzt ab und zu einer melancholischen Katerstimmung“, erklärt sie. Reines Understatement: Auch das neue Platnum-Programm ist knallig, frech und plakativ, hocherhitzter Soul mit vielen HipHop-Anleihen wird regelrecht auf den Balkan aufgedampft. Und das funktioniert in einem atemberaubenden Cover von Kate Bushs „Babooshka“ genauso wie im harten Bricolage-Sound, gewürzt mit pathetischen Blechbläsern.
Text: Stefan Franzen
Ruth Maria Renner_voc, Richard Koch_tp, Jerome Bugnon_tb, Stefan Pahlke_tu, Roy Knauf_dr, Beat Halberschmidt_b, Christian Marien_perc, Grace Risch_voc, Solange Miranda-Wieland_voc
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Samstag, 22. Mai 2010


Super Seaweed Sex Scandal
New York, East Village: Wo die 2nd Street auf die Avenue C trifft, da hat John Zorn vor ein paar Jahren The Stone eröffnet, einen schmucklosen Raum ohne Bar. Man sitzt auf Klappstühlen, wer zum Klo muss, quetscht sich an der Band vorbei. Hier geht es nur um Musik – und um nichts sonst: um experimentelle und avantgardistische Klänge. Alle Einnahmen fließen den Musikern zu. Zu den neuesten und jüngsten Mitgliedern der Downtown-Szene zählt Super Seaweed Sex Scandal.
Mit zwei Saxofonen, Gitarre, Klavier/Akkordeon, Bass/Cello und Drums erzeugt das Sextett entfesselt kreischende Geräusche, spielt mit folkloristischen Harmonien und klassischen Figuren oder gibt sich trancigen Beats hin – die Wechsel dabei sind rasant und überrumpeln die Hörer. Zu den musikalischen Hintergründen der Musiker, die aus verschiedenen US-Bundesstaaten und Japan stammen, alle noch in den frühen 20ern stecken und natürlich auch in anderen Ensembles unterwegs sind, zählen die entsprechenden Schubladen – Punk, Improv, Noise, Klassik, Rock. Gegründet hat sich die Band im Juni 2009, zueinander gefunden haben die sechs im Umfeld von Zorns The Stone.
Super Seaweed Sex Scandal kostet den Kontrast zwischen kollektiven Explosionen und lyrischen Melodien, krachendem Gitarrengewitter und zartem Cello-Klang, schreienden Saxofonen und walzerlastigen Akkordeon-Breakdowns ungestüm aus. Und schafft mit seinen freien Formen auf der einen Seite sowie bis ins Detail notierten, durchkomponierten Strukturen auf der anderen eine waghalsige Mischung, die in ihrer offenen Dynamik unverwechselbar ist.
Text: Uli Lemke
Nonoko Yoshida_sax, John Stanesco_sax, Paul Wheeler_g, Borey Shin_p, acc, Joe Merolla_b, vcl, Justin Veloso_dr
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Samstag, 22. Mai 2010


Sanne van Hek
Benannt hat Sanne van Hek ihr aktuelles Projekt nach einer Arbeit von Marcel Duchamp, bevor sie im Lexikon nachgeschlagen hat, was „stoppage“ heißt: Eine Sperrung kann dieses Wort bedeuten, aber auch Unterbrechung oder das K.O.-Gehen im Boxen. Die junge Holländerin vertiefte sich in Schriften des Künstlers Duchamp über Dadaismus, dessen Ideen klingen in ihren musikalischen Interessen wider. Sie erkundet den Trompetenklang und nicht allein deren mögliche Spielweise, überlässt sich dem Zufall und experimentiert mit Stillstand. Wenn sie spielt, ruft sie sich das vibrierende Holz der Klarinette in Erinnerung oder die körperlich spürbare Schwingung beim Streichen des Kontrabasses. Neben diesen Instrumenten hat van Hek auch Gitarre und Schlagzeug gelernt, den E-Bass legte sie wiederum nach fünf Jahren Studium beiseite.
Als diesjährige „Improviser In Residence“ der Stadt Moers gibt sie seit Februar Workshops, spielt Solo-und Hauskonzerte, in einem Bläserquintett und einem Trio mit Flöte und Akkordeon, coacht Bands vor Ort und führt Kinder an die improvisierte Musik heran. Junge Musiker aus der Gegend kontaktieren sie rege, mit dem Sinfonieorchester der Moerser Musikschule ist auch ein Projekt geplant. Mit Koenraad Ecker, der im Festivalkonzert am Laptop agiert, mäandert sie im neuen Duo Ecker/van Hek durch minimalistische Klangskulpturen aus Elektronik und Trompete. Ihre Klänge und Stücke befreit sie von scheinbaren Grenzen des Instruments, sie übt sich im Loslassen von Wissen, (Ab-)Neigungen und Erwartungshaltungen.
Text: Franziska Buhre
Sanne van Hek_tp, Benoît Delbecq_p, Koenraad Ecker_laptop, Gilbert Nouno_laptop, Jean-Luc Lehr_b, Onno Govaert_dr
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Samstag, 22. Mai 2010


Carlo Mombelli
Seit mehr als 30 Jahren zählt der Komponist und Bassist Carlo Mombelli zu den Aktivisten der südafrikanischen Jazzszene. Er hat in zahlreichen Ensembles gespielt, ist mit seinem Instrument zu hören bei Aufnahmen von Egberto Gismonti, Jaco Pastorius oder Lee Konitz – und er hat mit Stars Südafrikas gearbeitet wie Miriam Makeba oder Simphiwe Dana. Mombelli hat Musiken für Ballett geschrieben und für zahllose Filme und Dokumentationen komponiert. Und er hat Auftragskompositionen ausgeführt und darüber hinaus Lehrwerke für die Bassgitarre veröffentlicht.
Mombelli unterrichtet heute an der Universität in Johannesburg und gilt mit seinem Ensemble The Prisoners Of Strange seit Jahren als eine der progressivsten Köpfe am Kap der Guten Hoffnung. Gegründet hat er seine Prisoners 1998 mit dem vor einigen Jahren gestorbenen Gitarristen Johnny Fourie. Die Musiker bezeichnen sich selbst als „kollektives, spontanes free style Kammerjazzensemble“. In der aktuellen Besetzung sind sie als Quartett unterwegs. Der Leiter der Prisoners schickt seinen Bass hin und wieder in abenteuerliche Loops und performt gerne aus der Situation heraus. Siya Makuzeni ist die Stimme des Ensembles: Sie singt, arbeitet auch mit verfremdeter Stimme, beherrscht die typisch südafrikanischen Gesangstechniken und spielt außerdem Posaune. Siya ist eine Meisterin der Improvisation. Die junge Frau aus dem südafrikanischen East London hat mit zahlreichen anderen Musikern gespielt, darunter Miriam Makeba, Themba Mkhize und Simphiwe Dana. Marcus Wyatt ist an der Trompete zu hören, Justin Badenhorst ist seit 2009 am Schlagzeug der Band beschäftigt.
Text: Uli Lemke
Carlo Mombelli_b, Siya Makuzeni_voc, tb, Marcus Wyatt_tp, Justin Badenhorst_dr
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Carlo Mombelli bei MySpace
Carlo Mombelli & The Prisoners of Strange bei youtube
moers festival Podcast zu Carlo Mombelli
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Samstag, 22. Mai 2010


Steve Lehman ist die Geheimwaffe der aktuellen New Yorker Jazz-Avantgarde. Der asketische Altsaxofonist beschreitet ganz individuelle Wege zwischen Improvisation und Komposition. Hierzulande ist der ehemalige Student von Jackie McLean und Anthony Braxton vor allem durch das Trio Fieldwork mit Pianist Vijay Iyer und Drummer Tyshawn Sorey bekannt. Er bricht Mauern zwischen zeitgenössischer E-Musik und Jazz ebenso auf wie zwischen den Prinzipien akustischer und synthetischer Klangerzeugung. Doch der durchgeistigte Tonphilosoph ist kein Mann der Brechstange. Lehman sucht stets nach organischen und vor allem intelligenten Wegen der Integration. Seine Klasse hat er unter anderem an der Seite von Musikern wie Meshell Ndegeocello oder Mark Dresser bewiesen.
Lehmans Octet ist nicht nur das ehrgeizigste Projekt des Saxofonisten, sondern hier fließen auch alle Aspekte seiner künstlerischen Persönlichkeit zusammen. Auf dem Album „Travail, Transformation, And Flow“ übersetzt er seine Erfahrungen mit elektronischer Musik mühelos in einen rein akustischen Jazzkontext zurück. Die verschachtelten Tracks bauen die unmittelbare Brücke vom modalen Postbop eines Jacky McLean zum Post-Rock à la Tortoise. Kollektive Farbgebung, individuelle Pointierungen und ein System komplexer rhythmischer Brechungen mit Nähe zum Drum&Bass ergeben eine ornamentale Klangsprache zwischen Abstraktion und Leidenschaft. Diese Musik will genossen und verinnerlicht werden wie die großen Panorama-Romane eines William Faulkner oder John Steinbeck.
Text: Wolf Kampmann
Steve Lehman_sax, Jeremy Viner_sax, Jonathan Finlayson_tp, Tim Albright_tb, Jose Davila_tu, Chris Dingman_vib, Drew Gress_b, Tyshawn Sorey_dr
Weiterführende Links:
Steve Lehmann Website
Steve Lehman bei MySpace
moers festival Podcast zu Steve Lehman
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Samstag, 22. Mai 2010


Bill Frisell by Jimmy Katz
Ob ur-amerikanische Roots oder Experimente mit dissonanten Tönen, Musik zu Stummfilmen oder Ausflüge in zeitgenössische E-Musik, Bill Frisell wandert virtuos durch alle Genres und hat dafür immer wieder neue Ensembles parat. Mit dem außergewöhnlichen Viola-Spieler Eyvind Kang und dem Schlagzeuger Rudy Royston an seiner Seite durchforstet der Gitarrist ungewöhnliche Klangstrukturen mit abstraktem Charakter ebenso wie afrikanisch angehauchte Weisen oder verfolgt hin und wieder folkloristische Spuren. Souverän entfaltet das Trio sensible Figuren zu Klanggewittern, um gleich anschließend fast versunken in sich hinein zu horchen. Was gespielt wird, das entscheidet sich oft erst auf der Bühne.
Frisell hat mit beiden Musikern seit den 1990er-Jahren in verschiedenen Zusammenhängen gearbeitet. Seit einigen Jahren spielt er mit Royston und Kang regelmäßig im Quartett oder im intimeren Trio-Format wie jetzt in Moers. Kang hat mit Musikern wie John Zorn, Marc Ribot oder Laurie Anderson gespielt, die klassische Musik Indiens studiert und etliche eigene Werke veröffentlicht, die sowohl klassische Bezüge als auch jazzige Elemente aufweisen und zudem mit Aspekten der Popkultur angereichert sind. Royston spielte erstmals mit Frisell anlässlich der Aufnahmen zu einem Album von Ron Miles. Der Schlagzeuger ist sowohl in Rock- als auch Jazzkreisen ein beliebter Session-Mann. Frisell über seine beiden Kollegen: „Kürzlich haben wir als Trio zu spielen begonnen und ich bin mit unseren Möglichkeiten sehr glücklich. Jedesmal, wenn wir zusammen spielen, fühlt sich die Musik neu an … und alt. Rückwärts und vorwärts. Rauf und runter. Alles ist möglich. Ich bin gespannt zu hören, was als nächstes passiert.Ich habe Glück, dass ich mit diesen Jungs musizieren kann und ein Publikum habe, das unserem Abenteuer zu folgen gewillt ist.“
Text: Uli Lemke
Bill Frisell_g, Eyvind Kang_vl, Rudy Royston_dr
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Bill Frisell Website
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Dobet Gnahoré
Sie singt ihre Lieder in sieben, acht afrikanischen Sprachen und Dialekten, fühlt sich ganz als Panafrikanerin, thematisiert starke Persönlichkeiten in harter Umgebung und ist von einer überwältigenden Bühnenpräsenz. Die von der Elfenbeinküste stammende, längst in Frankreich lebende Musikerin Dobet Gnahoré singt nicht einfach nur. Vielmehr lebt sie ihre Songs mit einer Stimme, die Feinheit und Eleganz mit Leidenschaft und großer Kraft paart. Sie verleiht den Worten mit ihrem Körper Nachdruck: Dobet Gnahoré zu hören ist beeindruckend; sie tanzend auf der Bühne zu erleben, reißt einen ganz in den Bann dieser jungen Frau.
Angelique Kidjo und Miriam Makeba zählen zu Dobets Vorbildern, mit India.Arie hat sie einen Grammy verliehen bekommen für einen gemeinsamen Song. Zu ihren Vorbildern zählt auch Michael Jackson, von dessen Tanzkünsten sie als kleines Mädel ganz hingerissen war. Doch die panafrikanische Kultur, welche die 28-Jährige personifiziert, ist ihr großes Anliegen – und sie hat diese bereits während ihrer Kindheit in vollen Zügen genossen, in einem Künstlerdorf in Abidjan. Im Village Ki-Yi setzte sie sich ihrem Vater gegenüber durch, verließ die Schule und lernte Tanz, Gesang, Komposition und Perkussion. Hier traf sie auch ihren Mann, den französischen Musiker Colin Laroche de Féline, mit dem sie ihre bisherigen Alben einspielte. Das neueste Werk, ihr drittes heißt „Djekpa La You*g (Contrejour/Broken Silence) – was sie nun ganz aktuell in Moers vorstellt. Starke Musik, die ohne großes Ensemble auskommt und mit Gitarre, Bass, Schlagzeug ihre Botschaft transportiert.
Text: Uli Lemke
Dobet Gnahoré_voc, Colin Laroche de Feline_g, Clive Govinden_b, Boris Tchango_dr
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Sonntag, 23. Mai 2010


Georg Graewe
Im Jahr 1840 gab die Gewerkschaft der Zeche Wiesche bei Mülheim an der Ruhr einen Sammelband in zweiter Auflage heraus: „Grubenklänge. Eine Liedersammlung für Bergleute, bergmännische Sänger-Chöre und Freunde des bergmännischen Gesangs, gewidmet dem Königlichen geheimen Berg-Rath Dr. H. von Dechen. Blätter und Blüthen, am freundlichen Ruhrufer gelesen und mit den poetischen Erzeugnissen anderer Bergreviere zu einem Kranze gewunden... Die Veranlassung war der langgehegte Wunsch, unsere bergmännischen Feste und Aufzüge durch den Klang des Berghautbois (Schalmei) und den Sang unserer Knappen vervollständigt zu sehen.“ Blas- und Schalmeikapellen, Zupforchester, Chöre – die plebejische Kultur des Ruhrgebiets hatte ein reiches Musikleben, das durch den politischen und ökonomischen Wandel im letzten Jahrhundert an den Rand des öffentlichen Bewusstseins zur musikalischen Heimatpflege gedrängt wurde.
Lieder und Instrumentalstücke aus dieser Kultur, unter andere aus der Mülheimer Sammlung, bearbeitete der Pianist und Komponist Georg Graewe am Anfang der 1980er-Jahre neben eigenen Komposizionen für sein Grubenklangorchester. Graewe galt damals als ungestümer Free-Jazz-Pianist, nicht als gemächlicher Verwalter des dreiklangsorientierten Erbes seiner Region. Der Griff in die eigene Tradition prägte den sich gerade konstituierenden europäischen Jazz. Für Musiker in den Niederlanden, Italien und Skandinavien war das einfacher als für deutsche, denn in ihren Ländern gab es eine lebendige Volksmusiktradition, die in Deutschland längst vom industriellen Schlager absorbiert war. Das Grubenklangorchester gehörte von Anfang an zur Internationale der Improvisation. Beispielsweise Radu Malfatti, Roberto Ottaviano, Willem van Manen und Phil Wachsmann wirkten in den 1980er und '90er Jahren mit Musikern aus Graewes Umfeld wie etwa Theo Jörgensmann, Achim Krämer, Eckard Koltermann oder Horst Grabosch. Die Sprache des Gesangs war Englisch – denn der Sänger hieß Phil Minton. Wenn Graewe ein populäres Operettenlied wie Robert Stolz’ „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ aus „Der Favorit“ von 1915 arrangierte, dann war das kein Kniefall vorm Establishment, sondern zeigte, dass er die populäre Musik ernst nahm und ihre Würde achtete.
grubenklang.reloaded heißt das Projekt des Dortmunder Clubs Domicil zum europäischen Kulturhauptstadt-Jahr RUHR.2010. Dieses Projekt hat Premiere in Moers – mit einigen Stücken aus der frühen Zeit, aber auch mit Auszügen aus aktuellen Werken Graewes, etwa aus seiner Oper „Barbara Strozzi oder die Avantgarde der Liebe“, einer Produktion für Luzern und Bonn.
Text: Ulrich Kurth
Georg Graewe_p, Theo Jörgensmann_cl, Frank Gratkowski_sax, cl, Tobias Delius_sax, Eckard Koltermann_bs, bcl, Thomas Berghammer_tp, Sebastiano Tramontana_tb, Melvyn Poore_tu, Martin Siewert_g, John Lindberg_b, Dieter Manderscheid_b, Michael Vatcher_dr, Achim Krämer_dr
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grubenklang.reloaded Website
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Sonntag, 23. Mai 2010


Schneeweiß und Rosenrot
Keine Gegensätze. Vielmehr ein komplementäres Miteinander. Oberflächlich betrachtet von Farben. Schneeweiß steht für glamouröses Weiß in allen Schattierungen, Rosenrot für jenen vollen Ton, mit der sich auch die Königin der Blumen schmückt. Oder von Fantasien. In Grimms Märchen „Schneeweißchen und Rosenrot“ gewähren zwei Töchter einem Bären Obdach, der sich später als verwunschener Königssohn entpuppt. Beide, obwohl unterschiedlich vom Wesen, ziehen damit ein echtes Glückslos. Das stillere Schneeweißchen bekommt den Prinzen, die temperamentvollere Rosenrot dessen Bruder.
Über Rollenverteilungen darf bei dem jungen Quartett, dessen Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz, Schweden und Luxemburg stammen, trefflich spekuliert werden. Wer treibt, wer drosselt, wer fliegt, wer sorgt für Bodenhaftung, wer bringt den Jazztouch in den Gruppensound ein, von wem stammen die avantgardistischen Spitzen, auf wessen Veranlassung hin duften alle Songs derart herrlich frisch nach Pop? Eines steht freilich fest: Eine Band wie Schneeweiss & Rosenrot findet augenblicklich eigentlich nur in Berlin den entsprechenden kreativen Humus. Die Vier meistern die allenthalben schwierige Aufgabe, Text und Musik vielschichtig und sensibel zusammenzuführen, ohne dabei ins Triviale, Oberflächliche abzugleiten. Noch dazu sprengen sie völlig gewaltlos das traditionelle Songformat. Die ausdrucksvolle und klare Stimme von Lucia Cadotsch tänzelt federnd über den erdigen Kontrabass-Teppich von Petter Eldh und schlängelt sich gelenkig durch Marc Lohrs verästeltes Schlagzeug-Dickicht. Pianistin Johanna Borchert pendelt auf ihrem elektronisch verfremdeten Klavier zwischen meditativer Grübelei und donnernder Tastenattacke. Sobald man sich auf der stilistischen Spur des schillernden Quartetts wähnt, kann es sein, dass die Vier einen urplötzlich auf die nächste Fährte locken, allerdings ohne je das mulmige Gefühl dabei zu hinterlassen, sich in einem Irrgarten zu verlaufen oder an der Nase herumgeführt zu werden.
Alles passt. Bei Schneeweiss & Rosenrot betritt der Zuhörer einen verwunschenen Wald voller neuer und irgendwie doch vertrauter Klänge. Nicht alle Bienchen überwintern dort, die Frösche lassen die Muskeln spielen und für den Märchenprinzen gibt es immer einen roten Teppich. Ein facettenreiches Fantasialand voller kleiner Überraschungen und großer Gefühle.
Text: Reinhard Köchl
Lucia Cadotsch_voc, Johanna Borchert_p, Petter Eldh_b, Marc Lohr_dr
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Sonntag, 23. Mai 2010


Peter Brötzmann by Klaus Mümpfer
Chicago und Wuppertal haben nicht viel gemein. Eines der wenigen Bindeglieder zwischen den beiden ungleichen Städten ist die überaus kreative Improv-Szene. Der lebhafte musikalische Austausch zwischen Wupper und Lake Michigan ist nicht zuletzt das Verdienst von Free-Jazz-Urgestein Peter Brötzmann. Zwar gilt der alte Berserker als notorischer Einzelkämpfer. Doch hat er im Lauf der Jahrzehnte eine Gemeinschaft internationaler Improvisatoren um sich geschart, die seine Radikalität teilen, ohne sich gegenseitig zu neutralisieren. Aus dem Wuppertaler Eremiten wurde ein „Global Player“, dessen Weltläufigkeit in seinem Chicago Tentet kulminiert. Die mittlerweile elfköpfige Band versammelt Weggefährten und Alumni des Saxofonisten. Anfangs als rein amerikanisches Vehikel des scheuen Extremisten gegründet, sind die Anteile von Chicago und Europa mittlerweile nahezu gleichmäßig verteilt. Neben Brötzmann stehen Johannes Bauer, Mats Gustafsson, Per-Ake Holmlander und Paal Nilssen-Love für verschiedene Strömungen und Epochen des europäischen Free Jazz. Ken Vandermark, Joe McPhee, Jeb Bishop, Kent Kessler, Fred Lonberg Holm und Michael Zerrang hingegen bilden seit mehr als zehn Jahren den harten Kern des Chicagoer Improv-Pools, dessen Sozialisation sich zwischen AACM und Post-Rock erstreckt. Wer Brötzmann noch immer für einen Destruktivisten hält, der sich über all das definiert, was er ausschließt, wird mit dem Chicago Tentet eines besseren belehrt. In diesem erlesenen Zirkel erweist er sich als feinsinniger Klangchoreograf, der seine heterogene Allstar-Guerilla mit traumwandlerischer Sicherheit zum Tanzen bringt, aber wenn es sein muss auch trampeln, stampfen und marschieren lässt. Ein gleichermaßen sinnliches wie physisches Erlebnis.
Text: Wolf Kampmann
Peter Brötzmann_sax, cl, Mats Gustafsson_sax, cl, Ken Vandermark_sax, cl, Joe McPhee_tp, Johannes Bauer_tb, Jeb Bishop_tb, Per-Åke Holmlander_tu, Fred Lonberg-Holm_vcl, Kent Kessler_b, Paal Nilssen-Love_dr, Michael Zerang_dr
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